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Lehrstuhl für Pädagogik bei geistiger Behinderung

„Spielräume für Alle“ - Schüler*innenperspektiven zur Nutzung und inklusiven Gestaltung von Würzburger Spielplätzen

Projektbeteiligte

Dr. Christiane Reuter

Elias Mogschan (Masterarbeit)

Stadt Würzburg (Sozialreferat, Gartenamt)

Christophorus-Schule Würzburg (Förderzentrum mit dem sonderpädagogischen Schwerpunkt Geistige Entwicklung)

Hans-Schöbel-Schule Würzburg (Förderzentrum mit dem sonderpädagogischen Schwerpunkt Körperlich-motorische Entwicklung)

Graf-zu-Bentheim-Schule Würzburg (Förderzentrum mit dem sonderpädagogischen Schwerpunkt Sehen)

 

Motivation

Die Motivation zur Teilnahme am Spiel ist bei Kindern mit und ohne Behinderung gleich-ermaßen vorhanden. Besonders bedeutsam sind dabei Erfahrungen von Selbstwirksamkeit und sozialer Interaktion (Lauruschkus et al. 2015). Moderne Konzepte zur Gestaltung von Spielplätzen verfolgen das Ziel, möglichst allen Kindern die Nutzung öffentlicher Spielräume zu ermöglichen (Wenger et al. 2021, S. 136). Auf inklusiven Spielplätzen sollen auch Kinder mit Behinderungen aktiv am Spielgeschehen teilnehmen und zugängliche Spielgeräte nutzen können (Stettler et al. 2022, S. 60).
Die rechtlichen Rahmenbedingungen werden insbesondere durch die DIN 18034-1 „Spiel-plätze und Freiräume zum Spielen – Anforderungen für Planung, Bau und Betrieb“ geregelt (DIN Verbraucherrat 2020). Ergänzend unterstützt die DIN/TS 18034-2 „Matrix mit Bewer-tungsschema für inklusive Spielräume“ die Planung inklusiver Spielplätze (bfb 2024). Dar-über hinaus sind die Normen DIN EN 1176 „Spielplatzgeräte und Spielplatzböden“ sowie DIN EN 1177 „Stoßdämpfende Spielplatzböden“ relevant (Schwarz 2024, S. 30).
Brown et al. (2021, S. 6 ff.) benennen zentrale Merkmale inklusiver Spielplätze: breite und hindernisfreie Wege, Umzäunungen zum Schutz von Kindern mit Weglauftendenzen, Orien-tierungshilfen in unterschiedlichen Darstellungsformen, reizarme Bereiche, Beschattung sowie vielseitig nutzbare Spielgeräte. Spielgerätehersteller (wie KOMPAN Spielinstitut (2026) und Kinderland Emsland Spielgeräte (Stand 2026) bieten hierfür inzwischen zahlreiche barrierearme und inklusive Lösungen an. Und auch für die Planung neuer Spielflächen sind die Verantwortlichen engagiert inklusive Standards zu integrieren.
Im Würzburger Stadtgebiet existieren fast 200 Spielplätze und Spielanlagen (geostadt-plan.wuerzburg.de). Die Stadt Würzburg verfolgt mit dem 2. Kommunalen Aktionsplan die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und damit die Förderung gesellschaftlicher Teilhabe von Menschen mit Behinderung (Stadt Würzburg 2025, S. 10f.). Im Handlungsfeld Bauen und Wohnen sind unter anderem die Erfassung von Spielflächen und die Entwicklung eines Spielflächenentwicklungsplans vorgesehen (Stadt Würzburg). Bislang fehlen jedoch leicht zugängliche Informationen darüber, welche Spielplätze tatsächlich barrierefrei und inklusiv nutzbar sind. Die Perspektive von Personen mit Beeinträchtigung wird durch den Einbezug des Behindertenbeirates der Stadt Würzburg bei der Gestaltung von Spielplätzen einbezogen. Hier sind jedoch lediglich erwachsene Personen involviert. Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen, die eigentlichen Adressaten von inklusiven Spielplätzen, sollen nun auch eine Stimme bekommen.

 

Projektziele

Ziel ist einerseits die Identifikation und Darstellung inklusiver Spielplätze, um Familien die Orientierung zu erleichtern und die Teilhabe von Kindern mit Beeinträchtigung nachhaltig zu fördern. Hier bietet die Wheelmap.Pro einen direkten Bezugspunkt. Die Ergebnisse sollen wertvolle Informationen über die Barrierefreiheit bieten und die Suche nach geeigneten Spielplätzen erleichtern.
Andererseits sollen Bedarfe, Wünsche und Kriterien, die aus Sicht der adressierten Spielen-den, von Bedeutung sind, erfasst werden, um diese bei künftigen Planungen mit einbeziehen zu können. Die Bedarfe der Kinder sind der wichtigste Aspekt in der Planung künftiger Spielflächen, somit soll ihre Meinung am meisten gewichtet werden.
Dadurch leistet die Untersuchung einen konkreten Beitrag zur Förderung von Inklusion und Teilhabe im öffentlichen Raum, sowie die Realisierung des 2.Kommunalen Aktionsplans.

Vor diesem Hintergrund ergibt sich folgende Forschungsfrage: 
Wie erleben Schüler*innen mit Beeinträchtigung die Gestaltung und Nutzung von Spielplätzen im Würzburger Stadtgebiet in Bezug auf Inklusion und Barrierefreiheit?

 

Methodisches Vorgehen

Die Datenerhebung erfolgt partizipativ durch Schülerinnen und Schüler dreier Würzburger Förderzentren. Die Beteiligung der betroffenen Zielgruppe ermöglicht praxisnahe Bewertungen und fördert zugleich den Erwerb kritischen Wissens (Rosenlechner-Urbanek & Berner 2026, S. 35f.). Durch die heterogene Zusammensetzung der Schülerschaft entsteht eine viel-fältige Expert*innengruppe in eigener Sache.
Im Schuljahr 2026/27 begehen Klassen, bzw. Neigungsgruppen mit ihren jeweiligen Lehrkräften oder Begleitpersonen der beteiligten Schulen ausgewählte Spielplätze im Würzburger Stadtgebiet. Anhand von Fragebögen werden die Spielplätze „bewertet“. Der Fragebogen für die erwachsenen Begleitungen enthält ausgewählte Fragen der Wheelmap.Pro sowie weitere Fragen zur Nutzung und Gestaltung mit Fokus auf Inklusion. Durch die begleitenden Betreuungspersonen können, neben der Realisierung dieses Projekts, auch die Wheelmap.Pro weiter gespeist werden und möglichst viele Spielplätze aufgenommen werden.
Der Fokus des Schüler*innen-Fragebogens liegt auf dem subjektiven Erleben, den Bedürfnissen und Wünschen der Schüler*innen. Bereits bei der Erstellung dieses Fragebogens soll die Perspektive von Schüler*innen berücksichtigt werden. So werden aus den Beobachtungen und Gesprächen am 24.9. besonders relevante Aspekte der Schüler*innen berücksichtigt.