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Intern
    Pädagogik bei Verhaltensstörungen

    Interkulturelles-länderspezifisches Training für Auszubildende aus Laos in Deutschland

    Entwickelt im Rahmen des Seminars “Interkulturelle Handlungsfelder (GSiK)” der Universität Würzburg in Kooperation mit BHS Corrugated Maschinen- und Anlagenbau GmbH

    Sommersemester 2020

     

    Einleitung/ Online-Artikel

    GSiK und die Sonderpädagogik: Seit nun mehr als zehn Jahren engagiert sich der Lehrstuhl Pädagogik bei Verhaltensstörungen unter Leitung von Prof. Dr. Roland Stein im Projekt „Globale Systeme und interkulturelle Kompetenz“ und ist somit zu einem festen Bestandteil dieses Gesamtprojekts geworden. Ein grundlegendes Ziel ist die Verknüpfung zwischen (Sonder-)Pädagogik und Interkulturalität. Globales Lernen und die damit verbundene Förderung interkultureller, transkultureller und (sonder)pädagogischer Fähigkeiten spielen eine zentrale Rolle. Eines der Hauptziele ist es, Studierenden aller Fachrichtungen Grundkompetenzen wie beispielsweise Ambiguitätstoleranz, Flexibilität im Denken und Handeln, Offenheit und eine optimistische Grundhaltung zu vermitteln. Dies sind Aspekte einer interkulturellen Kompetenz, die in Zeiten voranschreitender Globalisierung, Internationalisierung und steigender Migrations- und Flüchtlingszahlen in allen Lebensbereichen und Berufsfeldern eine mehr oder weniger offensichtliche, in jedem Fall zentrale Rolle spielen. Neben den oben genannten individuellen Aspekten setzt sich die interkulturelle (Handlungs-)Kompetenz auch aus einer interkulturellen Fachkompetenz, einer sozialen und einer strategischen Kompetenz zusammen.
     

    Idee und Kooperation: Auch die BHS Corrugated Maschinen- und Anlagenbau GmbH, Weiherhammer, sieht die Stärken und Vorteile in der internationalen Zusammenarbeit und fördert - im Rahmen eines internationalen Ausbildungsprojekts in Kooperation mit dem Lao-German Technical College in der laotischen Hauptstadt Vientiane - die Qualifikation von jungen Servicetechnikern in der Asia-Pacific Region. Im Rahmen dieses Projektes wird in diesem Jahr zum wiederholten Mal Auszubildenden aus Laos die Möglichkeit gegeben, ihre fachlichen, individuellen, sozialen und interkulturellen Kompetenzen am Ausbildungsstandort Weiherhammer/Oberpfalz auszubauen. Um die in Deutschland angekommenen Auszubildenden möglichst gut in das Arbeitsleben einzuführen und auf das Gesellschaftsleben sowie soziale Strukturen in Deutschland vorzubereiten, sollen die Auszubildenden ein vorbereitendes Training zu Beginn ihrer Zeit in Deutschland erhalten. Die Anzahl - auch öffentlich zugänglicher - interkultureller Trainings ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Der Schwerpunkt dieser Trainings liegt in der Regel jedoch häufig auf dem Ausbau interkultureller Kompetenzen und richtet sich weniger explizit an nach Deutschland kommende Menschen. Auch länderspezifische Trainings, insbesondere für den arabischen Raum, existieren in einer größeren Zahl. Ein Training, das sich speziell an Menschen richtet, die aus dem asiatischen Raum nach Deutschland kommen, war jedoch nicht frei zugänglich zu finden. Hieraus entstand die Idee, an die bereits bestehende Kooperation zwischen dem Lehrstuhl Pädagogik bei Verhaltensstörungen (hier vertreten durch Priv. Doz. Dr. Thomas Müller) und der an die BHS Corrugated Maschinen- und Anlagenbau GmbH angegliederte Stiftung „Engel für Kinder“ anzuknüpfen. Im Rahmen eines Seminars mit Studierenden der Universität Würzburg sollte ein interkulturelles-länderspezifisches Training entwickelt werden; zugeschnitten ganz speziell auf die Anliegen der Firma BHS.

     

    Seminar „Interkulturelle Handlungsfelder“: Im Rahmen des Seminares „Interkulturelle Handlungsfelder“ im Lehrstuhl Sonderpädagogik V setzten sich Studierende verschiedener Studiengänge im Sommer 2020 mit oben genannten Kompetenzen auseinander und hatten gleichzeitig einen Raum, die verschiedenen Aspekte zu erproben und anzuwenden. Gleichzeitig eigneten sich die Studierenden Wissen über Politik, Land und Leute, geografische Gegebenheiten, Traditionen, Hierarchien, Religion etc. im Hinblick auf Laos an und hinterfragten auch „typisch deutsche“ Verhaltensweisen, Angewohnheiten, Vorurteile sowie Einstellungen.

     

    Zur konkreten Trainingsentwicklung: Das Entwicklerteam bestand aus den Studierenden Maximilian Ament, Anitra Harbeke, Anna Kirschner und Anna Schwarzkopf. Unterstützung erhielten die Studierenden von Johannes Zeck (BHS), Priv. Doz. Dr. Thomas Müller (Lehrstuhl Pädagogik bei Verhaltensstörungen) und der Seminarleiterin Miriam Lohrmann (Teilprojektstelle GSiK-Projekt, Lehrstuhl Pädagogik bei Verhaltensstörungen). Das interdisziplinäre Team bestand aus Studierenden verschiedener Fachrichtungen (Wirtschaftswissenschaften, Realschullehramt, Political and Social Studies und Gymnasiallehramt), wodurch ein vielseitiger Blick auf die Aufgabenstellung gewährleistet war.
    Das Seminar begann mit einer ausführlichen Kennenlernphase, die den Boden für eine angenehme und effektive Arbeitsatmosphäre mit Raum für kreative Entfaltung, aber auch konstruktive Kritik und Bedürfnisorientierung schaffen sollte. Ferner bildete die theoretische und praktische Auseinandersetzung (via Zoom), mit den Definitionen, Begriffen und Themenfeldern „Kultur“ und „interkulturelle Kompetenz“ eine wichtige Grundlage. Auch die Auseinandersetzung mit der eigenen kulturellen Identität war Teil der Eingangsphase des Seminares. Des Weiteren war die Beschäftigung mit dem Herkunftsland der Auszubildenden ein zentraler Bestandteil im Hinblick auf die Vorbereitung der Trainingsentwicklung. Hierbei war insbesondere Johannes Zeck von der BHS Corrugated Maschinen- und Anlagenbau GmbH eine wichtige Ressource. Im Rahmen seiner Aufgaben bei BHS und seiner Masterarbeit konnte er bereits diverse Erfahrungen in Laos sammeln und sich gleichzeitig auch theoretisch mit der Thematik auseinandersetzen. Diese Kompetenzen machen ihn zu einem wichtigen und hilfreichen Experten, der gleichzeitig eine zentrale Schnittstelle zwischen Deutschland und Laos bildete. Im nächsten Schritt setzten sich die Studierenden mit wichtigen Aspekten für ein erfolgreiches interkulturelles-länderspezifisches Training auseinander. Bereits bestehende Trainings wurden analysiert und reflektiert, was davon auch für die eigenen Zielvorstellungen gewinnbringend sein könnte. Gemeinsam wurden im Training zu behandelnde Inhalte festgelegt, Aufgaben verteilt, eine einfache, direkte und schnelle Kommunikationsmöglichkeit gesucht und gefunden. Hierbei fiel auf, wie wichtig es ist, sich auf die einzelnen Teammitglieder verlassen zu können, wie schwierig es für manche sein kann, sich an Zeitpläne zu halten und welche Auswirkungen dies auf die gesamte Gruppe haben kann. Es wurde (nicht nur theoretisch) deutlich, welche Rolle klare und deutliche Kommunikation innerhalb des Teams spielt. Dies spiegelt sich auch im Inhalt des Trainings wider, indem ein großer Schwerpunkt auf dem Themenbereich „Kommunikation“ liegt. In Einzelarbeit wurden einzelne Komponenten erarbeitet und zusammengefügt. Wöchentlich fand ein Austausch statt, in dem offene Fragen diskutiert, Organisatorisches geklärt, neue Ideen integriert und auch stets, mit Hilfe diverser Inputs, in Form von Übungen, Reflexionen, Geschichten und Diskussionen, auf verschiedenen Ebenen an der eigenen interkulturellen Kompetenz gearbeitet wurde. So wurden auf Seite der Studierenden auf diversen Ebenen interkulturelle Fach-, Sozial- und Handlungskompetenzen entwickelt und ausgebaut und gleichzeitig an der strategischen und individuellen Kompetenz der Studierenden gearbeitet. Aufgrund des Online-Semesters wurde das Training vorab ausschließlich online durchgesprochen, bislang jedoch noch nicht in Präsenzform durchgeführt.

     

    Grobziele des hier vorliegenden Manuals: Die Teilnehmer*innen des Seminares sollen einen Überblick über Politik, Geographie, Geschichte, Religion, „Kultur“ und Familienstrukturen in Deutschland bekommen. Dies soll u. a. durch das Herausarbeiten von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen Laos und Deutschland geschehen.
    Kommunikationsprozesse sollen theoretisch und praktisch analysiert werden, ein Bewusstsein für sprachliche Herausforderungen geschaffen, Kommunikationsunterschiede zwischen Laos und Deutschland aufgezeigt und u. a. dadurch Quellen und Ursachen sprachlicher Missverständnisse eruiert und Sicherheit für derartige Situationen aufgebaut werden. Diese Fähigkeiten sollen zu einer erleichterten Konfliktklärung beitragen bzw. möglichen Missverständnissen und Konflikten vorbeugen.
    Ziel des Trainings ist es auch, mit den Teilnehmer*innen übliche und unübliche Verhaltensweisen in Deutschland zu erarbeiten und so das Ankommen im sozialen Leben und im beruflichen Alltag in Deutschland zu erleichtern.

    Ferner soll ein Bewusstsein für den Umgang mit „Zeit“ in Deutschland geschaffen werden, grundsätzliche Umgangsweisen im Arbeitsleben erörtert und diskutiert werden.
    Ein zentrales Ziel ist trainingsübergreifend die interkulturelle Sensibilisierung aller Teilnehmenden.

     

    Durchführung und Ausblick: Die erstmalige Erprobung war ursprünglich für August/September 2020 angesetzt. Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen erschwerten Aus-/bzw. Einreisebedingungen steht der Termin für die Durchführung aktuell noch nicht fest. Die erstmalige Durchführung wird, nach Möglichkeit, durch die Trainingsentwickler mit fünf auszubildenden Laoten geschehen. Im Anschluss daran findet eine kritische Reflexion des Trainingsprogrammes und eine Überarbeitung der zu revidierenden Punkte durch die Entwickler, die Seminarleitung und den Kooperationspartner statt. Ein künftiges Ziel ist an dieser Stelle die feste Integration des Programms in die betriebliche Ausbildung der BHS.

     

    Der Lehrstuhl Pädagogik bei Verhaltensstörungen dankt der BHS Corrugated Maschinen- und Anlagenbau GmbH herzlich für die konstruktive Zusammenarbeit in diesem Projekt und für die Eröffnung eines realen Anwendungsfeldes des erarbeiteten Trainings, aber auch für die generelle Möglichkeit zur Erprobung und Anwendung interkultureller Handlungskompetenzen.