piwik-script

English Intern
    Lehrstuhl für Pädagogik bei Sehbeeinträchtigungen sowie Allgemeine Heil-, Sonder- und Inklusionspädagogik

    Forschung und Projekte

    Behinderung?

    Mit Blick auf die vergangenen Jahrzehnte lässt sich feststellen, dass sich die Heil- und Sonderpädagogik von einer am Einzelfall orientierten, individualisierenden Interventionspädagogik, zu einem gesellschaftsorientierten, advokatorischen und unterstützenden interdisziplinären Ansatz weiterentwickelt hat, was insbesondere auch mit dem Begriff Inklusionspädagogik eingefangen werden soll. Ursächlich hierfür sind die Veränderungen, die sich durch die Erfolge der Bürgerrechtsbewegung und durch den technischen Fortschritt ergeben haben, wodurch das Anliegen einer offenen Gesellschaft mit mehr Teilhabemöglichkeiten in allen Lebensbereichen an Realitätsanspruch gewonnen hat und zur politischen Aufgabe wurde. Vor diesem Hintergrund hat sich auch das Bild von Menschen mit Behinderung deutlich verändert.

    Behinderung ist nicht mehr und auch nicht weniger als eine weitverbreitete Erfahrung, die sich ausgehend von einem essenziellen Kern ins Leben einschreibt und die schulische, berufliche oder gesellschaftliche Teilhabe einzelner Menschen beeinträchtigen kann. Besteht dieser essenzielle Kern unter anderem in einer manifesten oder potentiellen Einschränkung des Sehvermögens, kann dies dazu führen, dass die über den visuellen Sinneskanal gewonnenen und über andere Sinneskanäle ergänzten verwertbaren Reize nicht ausreichen, um mindestens alle handlungsrelevanten visuellen Informationen zu rekonstruieren. Die hieraus resultierenden Beeinträchtigungen oder Behinderungen sind der Ausgangspunkt unserer Bemühungen in Forschung und Lehre.

    Wissenschaft?

    Wir betrachten unsere Fachdisziplin als eigenständige Fachwissenschaft, die zum einen Inhalte aus der allgemeinen Pädagogik, den allgemeinen Fachdidaktiken, der Medizin und Psychologie sowie anderen Bezugswissenschaften importiert und daraus einen eigenen Methodenkanon zur Individualisierung von Lern- und Beratungsprozessen generiert. Zum anderen verfügt unsere Fachdisziplin über diverse substanzielle Forschungsgegenstände wie eigene Kulturtechniken, Kompensations- und Substitutionskonzepte zur Realisierung von Zugänglichkeit und Barrierefreiheit, ein gewachsenes historisches Fundament sowie komplexe Sozialisations- und Institutionalisierungsprozesse, die der partikulären wissenschaftlichen Aufmerksamkeit bedürfen.

    Als eigenständige Forschungseinheit sehen wir unsere wichtigste Aufgabe in der Generierung einer neutralen Außenperspektive, die unabhängig und ohne Erfolgsdruck entsteht und von Lernbereitschaft und Offenheit für Veränderungen geprägt ist. Im Bewusstsein, dass unsere Fachdisziplin aufgrund ihrer immanenten Spezifität und Reichweite nur begrenzt auf Impulse aus anderen Fachwissenschaften hoffen kann, möchten wir selbst passende Schnittstellen offerieren und unsere Forschungsleistungen attraktiv machen. Demgemäß sehen wir uns kategorisch einem interdisziplinären Denken und Handeln verpflichtet.

    Forschungsschwerpunkte

    Behindertes Leben in der inklusiven Gesellschaft

    Soziale Teilhabe behinderter Menschen ist wesentlich für eine gelungene Lebensgestaltung. Unser Fokus liegt auf Ursachen und Bedingungen der Entstehung und Sicherung von sozialer Teilhabe vor dem Hintergrund sozialer institutioneller Barrieren. Darüber hinaus befassen wir uns mit Pespektiven erlebter beeinträchtigter Wahrnehmung und den damit verbundenen Einflüssen auf die Identitäsbildung.

    Bildungsprozesse im digitalen Wandel

    In diesem Forschungsschwerpunkt geht es uns vor allem darum, Wege aufzuzeigen und Bildungsangebote zu schaffen, mit welchen sich die behinderungsspezifischen Kompetenzen im Umgang mit assistiven Technologien für sehbeeinträchtigte Menschen unmittelbar oder mittelbar steigern lassen. Auf der anderen Seite möchten wir mit unserer Forschung zum Abbau von einstellungs- und umweltbedingten Barrieren und zur Steigerung einer selbstverständichen Behinderungssensibilität beitragen.

    Unterricht für alle

    Unsere didaktische Arbeit verbindet sich mit dem Ziel, anschlussfähige didaktische Konzepte zu entwickeln, welche die Voraussetzungen von möglichst allen Lernenden adressieren. Vor diesem Hintergrund sollen bestehende didaktische Ansätze weiterentwickelt, aber auch bisher nicht wissenschaftlich durchdrungene pädagogische Handlungsfelder erschlossen werden. Wir möchten die Sichtbarkeit und die interdisziplinäre Anschlussfähigkeit der Pädagogik bei Sehbeeinträchtigungen erhöhen. Dies soll durch die Stärkung der Verbindungslinien zwischen den Förderschwerpunkten und durch die Verzahnung der Didaktik bei Sehbeeinträchtigungen mit den allgemeinen Fachdidaktiken geschehen.