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Intern
    Institut für Sonderpädagogik

    DGfE-Tagung


    Tagung der Sektion Sonderpädagogik der DGfE 2021

    Das Institut für Sonderpädagogik wird vom 29.9. bis 1.10.21 die Tagung der Sektion Sonderpädagogik der DGfE ausrichten. Die Tagung findet online statt. Sollte das Infektionsgeschehen im Spätsommer die Durchführung einer Präsenzveranstaltung zulassen, wird die Veranstaltung gegebenenfalls in hybrider Form angeboten. Eine Einreichung von Tagungsbeiträgen ist nicht mehr möglich. Eine Anmeldung zur Tagung ist nach Veröffentlichung des Tagungsprogramm im Mai möglich.

    Aktuelle Informationen zur Tagung finden Sie stets an diesem Ort.




    Sonderpädagogik - zwischen Dekategorisierung und Rekategorisierung

    Wie in jeder Wissenschaft prägen auch in der Sonderpädagogik Kategorien und kategoriale Bestimmungen das Denken, Forschen, Lehren sowie das Agieren in pädagogischen Handlungsfeldern. Gleichzeitig repräsentieren die Kategorien selbst einen Ausdruck der Paradigmen und Diskurse in einer Wissenschaftsdisziplin – das Verhältnis ist dialektisch.

    Die Sonderpädagogik kommt zugleich aus einer Tradition, welche den Blick auf den Menschen richtet, in diesem Falle die Zielgruppen ihrer Arbeit. Das hat zu einer Kategorienbildung geführt, welche – nicht nur, aber doch deutlich – diese Menschen fokussiert. Ein Kern dieser Typik ist die Unterscheidung verschiedener Formen von Behinderungen, Beeinträchtigungen sowie Benachteiligungen. Sie prägt seit Jahrzehnten die Wissenschaften im Sinne einer inhärenten inneren Ausdifferenzierung, welche für die Felder der Praxis zugleich einen Prozess der Professionalisierung bezeichnet.

    Einer Wissenschaft und ihrer Dynamik ist allerdings ebenso inhärent, diese Kategorien in den Diskurs zu geben. Sie immer wieder kritisch zu überprüfen, zeichnet gute Wissenschaft aus. Dies findet seinen Ausdruck beispielsweise im Konzept des Paradigmas beziehungsweise der Paradigmata.

    Auch wenn innerhalb der Sonderpädagogik über Jahrzehnte ein Verständnis von Behinderung entwickelt wurde, welches eben nicht allein auf die Person fokussiert, hat gerade die entsprechende Kategorienbildung immer wieder zu kritischen Diskursen beigetragen – schon etwa aus der Etikettierungs- und Stigmatisierungsdiskussion seit den 1970er Jahren. Dies führte zu starken Forderungen nach einer Dekategorisierung. Auf der anderen Seite gibt es Bestrebungen, neue Kategorien wie ‚Autismus-Spektrum-Störung‘ einzuführen, um eine spezifische Professionalisierung zu etablieren. Des Weiteren ist zu beobachten, dass eine Kategorie wie ‚Hochbegabung‘ gesellschaftlich einige Akzeptanz erfährt.

    Eine Neuorientierung der Ziele und Schwerpunkte sonderpädagogischen Denkens, Forschens, Arbeitens und Handelns jenseits der auf die „Zielgruppen“ fokussierten Sichtweisen steht in diesem Diskurs ebenfalls an prominenter Stelle. Im wissenschaftlichen Diskurs, ebenso wie in der – etwa schulischen – Praxis, finden sich klare Ausdrucksformen einer solchen Dekategorisierung.

    Zugleich wird in dieser Debatte auch die Frage der Sonderpädagogik als pädagogischer (Sub-) Disziplin und als Kategorie in sich selbst gestellt. Es ist festzustellen, dass es, über die Jahrzehnte, kaum eine Wissenschaftsdisziplin geben dürfte, die einen solchen Diskurs intensiver führt als die Sonderpädagogik. Aber auch von außen wird er an sie herangetragen und findet über sie statt.

    Auf der anderen Seite agiert Wissenschaft immer mit Begriffen und definitorischen Bestimmungen, welche ihren Diskurs prägen und prägen müssen. Hieraus resultiert das Bemühen um neue und veränderte Begriffe, welche nicht nur, aber auch Kategorien betreffen. In diesen Radius gehört zudem die Frage der Anwaltschaft der Sonderpädagogik für bestimmte Menschen und damit letztlich auch „Zielgruppen“, mit der berechtigten Sorge, diese durch eine Dekategorisierung aus dem Blick zu verlieren. So sind in komplexen sozialen Systemen begriffliche Bezeichnungen von Unterstützungsbedarfen auch mit Unterstützung selbst, mit Hilfen und der Finanzierung von Maßnahmen verbunden (Kategorien gesellschaftlicher Fürsorge). Weder Wissenschaft noch Praxis kommen ohne Begriffe und Kategorien aus.

    Nach einer Phase der Diskussion von und der Trends hin zu Dekategorisierung stellt sich daher nun die Frage einer Rekategorisierung. Dies entspricht verschiedenen aktuellen Diskussionen zu Theoriebildung, aber auch zur Praxis innerhalb der Sonderpädagogik – und selbst dort, wo das Thema nicht direkt angesprochen wird, unterliegt es häufig diesen Diskussionen.

    Im Rahmen der Sektionstagung Sonderpädagogik der DGfE 2021 in Würzburg soll dieses Feld der Dekategorisierung und Rekategorisierung fokussiert, umrissen und erörtert werden.

    Aushang DGfE-Würzburg

    Hier finden Sie einen Aushang im Format A3, mit dem Sie die Veranstaltung gerne bewerben können.

    Informationen zum CfP

    Hier finden Sie ein zusammenfassendes Dokument zur Veranstaltung und zum Call for Papers zur Weitergabe oder für Ihre Unterlagen.

    Call for Papers

    Die Frist zur Einreichung von Beiträgen ist abgelaufen. Die Abstracts befinden sich im Review-Prozess.